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POCO F9 Ultra im Test: 27 Stunden Video am Stück, und der Preis ist kein Argument mehr
Das POCO F9 Ultra hält in mehreren Tests länger durch als alles, was die Tester sonst auf dem Schreibtisch hatten. Dafür kostet es 1.099,90 Euro, und unter Dauerlast bricht seine Leistung um fast die Hälfte ein.
Poco verlangt jetzt Flaggschiffpreise
Poco war lange die Marke für alle, die vor allem Rechenleistung fürs Geld wollten. Damit ist es vorbei. heise online überschreibt seinen Bericht mit dem Satz, aus der Preis-Leistungs-Marke werde ein Premiumanbieter, und nennt die Zahlen dazu: Das F9 Ultra startet bei 1.099,90 Euro, mit 16 GB Arbeitsspeicher und 1 TB Speicher sind es 1.399,90 Euro. Das kleinere F9 Pro beginnt bei 899,90 Euro und kostet mit 512 GB knapp 1.000 Euro.
notebookcheck formuliert es nüchterner: Mit rund 1.100 Euro liege das Gerät gleichauf mit anderen Top-Handys, günstig sei es nicht. Zum Verkaufsstart im September gab es laut chinamobilemag einen Early-Bird-Preis ab 899,90 Euro.
Wer hier zugreift, vergleicht das Gerät also nicht mehr mit der Mittelklasse, sondern mit den Spitzenmodellen von Samsung und Xiaomi. heise stellt genau diesen Vergleich an und führt das Xiaomi 17T Pro als Konkurrenten aus dem eigenen Haus an.
Der Akku ist das Argument
Was das F9 Ultra von den Nachbarn im Regal abhebt, ist seine Ausdauer, und zwar deutlich. GameStar kommt auf über 27 Stunden Akkulaufzeit. netzwelt misst denselben Wert unter härteren Bedingungen: über 27 Stunden Videostreaming am Stück bei maximaler Helligkeit, womit das Gerät die Konkurrenz hinter sich lasse.
Die rumänische Redaktion mobilissimo kommt in ihrem Videotest sogar auf 48 Stunden und 52 Minuten. Der Unterschied erklärt sich durch die Testbedingungen, die Richtung ist bei allen dieselbe.
Am aussagekräftigsten ist vielleicht die beiläufige Bemerkung von gsmmaniak aus dem direkten Vergleich mit dem Vorgänger: Der Tester hat das Gerät bei rund zwölf Stunden Bildschirmzeit nur jeden zweiten Tag geladen.
Dahinter steckt ein Akku mit 8.050 mAh, den notebookcheck als Silizium-Kohlenstoff-Zelle beschreibt. Geladen wird mit 100 Watt über Kabel, kabellos mit 50 Watt, so Analytics Insight.
Unter Dauerlast bricht die Leistung ein
Der zweite große Befund der Tests fällt weniger freundlich aus. mobilissimo bescheinigt dem Gerät sehr gute Werte in AnTuTu und Geekbench, hält aber fest, dass die Leistung nach anhaltender Belastung um 48 Prozent sinkt. Dabei erreicht das Gehäuse bis zu 48,5 Grad.
Fast die Hälfte der Leistung nach längerem Spielen ist viel, und es steht in einem eigentümlichen Verhältnis zum verbauten Chip: Im F9 Ultra arbeitet laut chinamobilemag der Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5, also das aktuelle Spitzenmodell. Wer kurze Lastspitzen fährt, merkt davon nichts. Wer eine Stunde am Stück spielt, schon.
Ein Display mit 185 Hertz
Die Bildwiederholrate ist die Zahl, mit der Poco wirbt, und sie stimmt: 185 Hertz nennen GameStar, notebookcheck, mobilissimo und gsmmaniak übereinstimmend. Das Panel misst 6,9 Zoll und löst mit 2.608 x 1.200 Bildpunkten auf, die Fläche ist flach, nicht gewölbt.
Zur Helligkeit gibt GameStar 2.200 Nits im Hellmodus an. chinamobilemag nennt die Spitzenwerte des Herstellers von 4.500 Nits auf einem Viertel der Fläche und 10.000 Nits auf einem Prozent, dazu 12 Bit Farbtiefe, DCI-P3, HDR10+, Dolby Vision und DC Dimming. Die Eingabe tastet das Display mit 480 Hertz ab, bei schnellen Bewegungen mit 4.800 Hertz. Geschützt ist es von Gorilla Glass 7i.
Drei Kameras, 200 Megapixel
netzwelt zählt auf: Die Hauptkamera löst mit 200 Megapixeln auf, dazu kommen ein Ultraweitwinkel und ein Periskop-Zoom mit fünffacher optischer Vergrößerung, beide mit 50 Megapixeln. Vorne sitzen 32 Megapixel. notebookcheck beschreibt dieselbe Bestückung.
Eine Beobachtung aus dem Testalltag steuert GameStar bei: Üblicherweise liefert die Ultraweitwinkelkamera bei wenig Licht die schwächsten Bilder eines Smartphones. Beim F9 Ultra seien die Aufnahmen auch dort brauchbar.
Kunststoff statt Glas, und sechs Jahre Updates
Beim Gehäuse spart Poco. Die Rückseite besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, nicht aus Glas, das schreiben GameStar und netzwelt gleichlautend. netzwelt findet die Materialauswahl trotzdem wertig, hält aber fest, dass die Bedienung mit einer Hand wegen des großen Displays mehr als schwierig sei. Das Gerät misst 164 x 78 Millimeter und ist nach Herstellerangabe 8,74 Millimeter dick. Gegen Staub und Wasser ist es nach IP68 geschützt.
Zwei Kleinigkeiten fallen den Testern noch auf. gsmmaniak stellt den Vibrationsmotor über den des Vorgängers F8 Ultra und führt das auf die größere Masse des Geräts zurück. Und netzwelt merkt an, dass als Verpackungsmaterial größtenteils Pappe zum Einsatz kommt, Handy und Hülle aber trotzdem in Kunststoff stecken. Für den Klang nennt Analytics Insight symmetrische Stereolautsprecher mit eigenem Subwoofer, abgestimmt von Bose.
Bei der Software macht Poco eine Zusage, die inzwischen zum Flaggschiffpreis gehört: vier große Android-Versionsupdates und sechs Jahre Sicherheitspatches. GameStar und mobilissimo nennen beide diese Zahlen. Bei den Verbindungen stehen Wi-Fi 7 und Bluetooth 6.0 in der Liste; mobilissimo hat im rumänischen Netz 443 Mbit/s bei Vodafone und 369 Mbit/s bei Yoxo gemessen.
Wofür der Preis steht
heise fasst zusammen, was Poco diesmal verbaut hat: ein komplettes Paket aus starker Hardware, großem Akku, hochwertigeren Kameras und IP68-Schutz. Genau das ist der Grund für den Preissprung, und es ist auch der Grund, warum das Gerät jetzt an anderen Maßstäben gemessen wird.
Bleibt die Rechnung, die jeder für sich aufmachen muss. Ein Gerät, das zwei Tage ohne Steckdose auskommt und dessen Ultraweitwinkel auch abends noch brauchbare Bilder liefert, steht gegen ein Gehäuse aus Kunststoff, eine Bedienung, die einhändig kaum funktioniert, und einen Chip, der unter Dauerlast fast die Hälfte seiner Leistung abgibt.
Die Daten zum Gerät
Geräte in diesem Artikel
- POCO F9 Ultra · Technische Daten · ab € 857